Verabschiedung Yan Yujiang

Oberösterreichs Erfolgstrainer Yan Yujiang geht in die Badminton-Pension. Zur Verabschiedung des erfolgreichsten Trainers in der Ära des oberösterreichischen Badmintonverbandes möchte badminton-ooe.at in einer 3-teiligen Bericht-Serie über die Spieler- und Trainerlaufbahn von Yan Yujiang berichten.

Die offizielle Verabschiedung von Yan Yujiang wird beim 1. Bundesliga Semifinale am 25. März in Traun ab 16:00 Uhr stattfinden!

Teil 1 von 3

Wie findet ein chinesischer Spitzentrainer den Weg nach Österreich?
Glücklicher Zufall bestimmte die rasante Entwicklung des österreichischen Badmintonsports!

Yan Yujiang war als chinesischer Jugendnationaltrainer gerade auf Europa-Tournee mit dem chinesischen Jugendnationalteam. Nach internationalen Jugendturnieren in Russland und Bulgarien war im Frühjahr 1989 die letzte Turnier-Station in Polen, wo auch der österreichische Jugendwart Heinz Klimetschek und der österreichische Jugendspieler Hannes Fuchs teilnahmen. Heinz Klimetschek nutzte die Chance und lud Yan, dessen hohe Fachkompetenz ihm sofort auffiel, zu einem Trainingslager nach Österreich ein.
Nach einer kurzen Bedenkzeit und dem Abklären mit dem Chinesischen Verband sagte Yan zu, bei diesem Trainingslager als Coach dabei zu sein. Im August 1990 kam es schließlich zum ersten Besuch in Österreich und zu einer weiteren wichtigen Begegnung. Bei dem 3-wöchigen Trainingslager in Österreich (Weiz und Wien) bei dem Spieler wie u.a. Jürgen Koch, Hannes Fuchs, Harald Koch, Heimo Götschl, Heinz Fischer, Sabine Ploner,…) teilnahmen, lernte Yan das damalige Mitglied des österreichischen Jugendausschusses und jetzigen OÖBV-Präsidenten Herbert Koch kennen. Dieser holte gerade seine Söhne Jürgen und Harald vom Nationalkaderkurs in Wien ab und beschloss den chinesischen Fachmann auch nach Oberösterreich einzuladen.
Geplant war ein kurzes Trainingslager mit dem OÖBV-Kader, doch Yan fühlte sich sofort wohl in Österreich und beschloss für längere Zeit hier leben zu wollen. Maßgeblichen Anteil an der Verpflichtung von Yan Yujiang hatte der damalige ÖBV-Nachwuchsverantwortliche Heinz Klimetschek. Somit war der Beginn einer der erfolgreichsten Abschnitte im österreichischen Badmintonsport besiegelt.
Yan lebte im oberösterreichischen Traun und war für den Oberösterreichischen Badmintonverband als Trainer tätig. In den Anfängen teilweise auch im Hause Koch untergebracht war es eine Zeit mit viel Improvisation. Im November 1991 kamen auch Gattin Sun Pei und die damals 10-jährige Tochter Yan Yan nach Österreich. Im Laufe der nächsten Jahre wurde durch den Einfluss von Yan das gesamte Umfeld des oberösterreichischen Badmintonsports und österreichischen Badmintonsports professioneller. In zahlreichen Gesprächen und Sitzungen wurde gemeinsam mit den maßgeblichen Funktionären eine Struktur entwickelt, die den Österreichischen Badmintsport nahe an die Europäische Spitze gebracht hat.
Die Familie Yan lebte sich immer mehr in Österreich ein und auch die ersten Erfolge der Sportler ließen nicht mehr lange auf sich warten. Es war eine Zeit in der es 2 Stützpunkte in Linz und Wien gab, die beide unter der Leitung von Yan Yujiang geführt wurden. Die Spieler pendelten häufig hin und her, um auch von den Trainings profitieren zu können.

Wir haben einige seiner langjährigen Weggefährten und erfolgreichsten SportlerInnen Fragen über Yan Yujiang befragt. Den Anfang machen OÖBV-Präsident Herbert Koch, Hannes Fuchs und Jürgen Koch.

Herbert Koch, Mit-Entdecker und langjähriger Freund

Was hat die Verpflichtung von Yan als Trainer für den Badmintonsport in Oberösterreich und Österreich gebracht?
Durch die Verpflichtung von Yan Yujiang hat für den österreichischen Badmintonsport eine neue Zeitrechnung begonnen. Wir wurden ab diesem Zeitpunkt mit Weltklassebadminton konfrontiert. Nach beidseitigen Anfangssproblemen (Sprache, Mentalität zum Spitzensport, usw.) wurde aus der Verpflichtung des ehemaligen chinesischen Weltklasseathleten eine Erfolgsgeschichte. Viele Nationen beneideten uns um die Verpflichtung des chinesischen Top-Trainers. Aufgrund seiner guten Kontakte nach China kamen auch viele chinesische Top-Spieler wie Weltmeister Zhao Jianhua, Olympia-Silbermedaillengewinner Dong Jiong nach Oberösterreich. Diese Spieler trainierten in China noch unter der Handschrift von Yan Yujiang.

Hannes Fuchs, ehemalige Nr. 14 der Welt im Herreneinzel und 2-facher Olympiateilnehmer

Yan ist 1990 nach Österreich gekommen. Was glaubst du hat das Training von Yan in Österreich geändert?
Yan hat neue Trainingsmethoden eingeführt, einige Übungen eingebracht die vorher weitgehend unbekannt in Österreich waren. Damit hat er uns Spieler, aber natürlich auch andere Trainer, inspiriert.

Was hast du als Spieler von ihm gelernt?

Yan hat mich dazu gebracht noch mehr an die eigenen Grenzen zu gehen. Da die Physis im Badminton enorm wichtig ist um Weltklasse zu werden und vorallem auch das Niveau halten zu können. Yan hat mir aber auch technisch viele Feinheiten beigebracht und mir den nötigen Feinschliff verpasst.

Wie hat Yan das Training aufgebaut und systematisiert?
Yan hat rund um seine Standardübungen Varianten eingebaut. Gewisse Standardübungen waren immer dabei, Kraft und Ausdauertraining abseits des Courts habe ich immer selbst gecheckt. Yan hat mit mir „nur „ badmintonspezifisch am Court gearbeitet. Ich bin Yan sehr dankbar weil ich mich durch ihn weiterentwickelt habe und er auch wesentlichen Anteil an meinen Erfolgen hatte.

Jürgen Koch, Jugend-Europameister im Herreneinzel und Olympiateilnehmer

Wie lange hast du unter Yan als Trainer trainiert?
Yan ist im Sommer 1990 für einige Trainingskurse nach Österreich gekommen und dann anschließend bei uns geblieben. Ich war zu dieser Zeit 17 Jahre alt. Ich habe dann fast 20 Jahre täglich mit Yan trainiert und in den letzten Jahren gelegentlich.

Was waren deine größten Erfolge als Spieler?
1991 würde ich Jugendeuropameister im Einzel. Kurz vor der EM erkrankte ich an Masern und wir hatten nur 1 bis 2 Wochen für die Vorbereitung zur Verfügung. Yan hat mich aber trotz der kurzen Zeit wieder körperlich fit und mental bereit gebracht.
Beste Weltranglistenplatzierungen: HE: 23./HD:21./MIX:5.
3. Platz German Open 2003 im HE

Was hast du technisch und taktisch von Yan gelernt?
Die besten Weltranglistenplatzierungen in allen 3 Disziplinen zeigen glaube ich, dass mich Yan zu einem technisch und taktisch gut ausgebildeten Spieler gemacht hat. Dafür bin ich natürlich Yan sehr dankbar. Ich habe in meiner sehr langen Kariere auch sehr viele internationale Trainer im Ausland kennengelernt und war immer wieder froh einen so hochqualifizierten Trainer Zuhause zu haben. Yan war ja selbst als Spieler absolute Weltklasse und von dieser Erfahrung konnte ich natürlich auch sehr viel profitieren.

Welchen Einfluss hatte Yan auf den österreichischen Badmintonsport?
Yan war allgemein für die guten Leistungen zwischen 1991 bis schätze ich 2004 hauptverantwortlich. Man sieht jetzt noch immer welche Spieler und Trainer die Technik von Yan gelehrt bekommen haben.


Fortsetzung folgt:
Im 2. Teil berichten wir unter anderem über die Erfolge seiner Trainertätigkeit in China und Österreich…

[Bericht: Redaktion – Lukas Rebhandl]