Pensionierung Yan Yujiang – Teil 2 von 3

Oberösterreichs Spitzencoach Yan Yujiang ging in die Badminton-Pension. Der OÖBV berichtet im zweiten Teil der Berichterstattung von badminton-ooe.at über die Erfolgsbilanz als Spieler und Trainer in China.

Chinesische Weltklasse-Athleten zu Gast in Oberösterreich
Durch die guten Kontakte nach China kamen immer wieder hochkarätige Trainingspartner nach Österreich. Spieler wie Zhao Jianhua (Weltmeister) und Dong Jiong (ehem. Weltranglisten-Erster, Vize-Olympiasieger) besuchten ihren ehemaligen Trainer und gaben im Training wichtige Tipps für die österreichischen Spieler weiter. Immer wieder erfuhren österreichische SportlerInnen auf internationalen Turnieren von anderen chinesischen Trainern in Europa, welch Glücksfall es ist einen Trainer von diesem Format in Österreich zu haben.

Im Jahr 1990 beschloss der österreichische Badmintonverband schließlich Yan Yujiang als Nationaltrainer anzustellen.

Große Erfolge als Spieler und Trainer in China
Bevor Yan Yujiang nach Österreich kam war er in China als Cheftrainer der Herrenmannschaft in der chinesischen Jinagsu-Provinz tätig. Spieler wie Yang Yang, Zhao Jianhua – beide wurden später Weltmeister – trainierten unter seiner Handschrift. Weiters war er als Jugendnationaltrainer der Herren in China unter anderem für Dong Jiong (Olympiasilbermedaillengewinner 1996) zuständig, bevor er schließlich nach Österreich kam.

Seine Erfahrungen als chinesischer Weltklasse-Spieler waren eine große Hilfe dabei.

Größte Erfolge als Spieler
> Chinesischer Meister, 1977: Finale gegen Chen Tianlong: 15:12, 15:5 (späterer Weltmeister)
> Sieg Chinesische Nationalspiele, 1979: Finale gegen Han Jian: 15:11, 15:3 (mehrmaliger Weltmeister)

Man kann sagen, dass Yan Yujiang zu seiner besten Zeit zu einem der besten Spieler in China und auch der Welt zählte. Aufgrund einer schweren Verletzung im Jahre 1978 (Achillessehne wurde gerissen), war er gezwungen ein Jahr zu pausieren und konnte sich somit nicht für die Weltmeisterschaft im Mai 1979 qualifizieren. Doch vier Monate später konnte er bei den Chinesischen Nationalspielen den neugebackenen BWF Weltmeister Han Jian im Herreneinzel deutlich mit 15:11 und 15:3 bezwingen. Da die Berichterstattung in seiner aktiven Zeit als Spieler noch nicht mit der heutigen Medienlandschaft vergleichbar war, findet man kaum noch Aufzeichnungen seiner Erfolge. Auf Wikipedia sind über Yan Yujiang folgende Daten zu finden:

> Spieler Info Yan Yujiang
> Alle Titelträger der chinesischen Nationalspiele
> Alle Titelträger der chinesischen Meisterschaften

Zu seiner besten Zeit als Spieler war China bei den offiziellen Badminton Weltmeisterschaften ausgeschlossen. Yan beendete im Alter von 28 Jahren seine Karriere als Profisportler. Damals war das ein normaler Vorgang, dass sich chinesische Spieler vor dem Alter von 28 Jahren vom Badmintonsport zurückzogen, um den Weg für die nächste Generation frei zu geben. Deswegen gibt es auch wenige Videos auf denen Yan als Spieler zu sehen ist. Eines der wenigen Videos zeigt Yan gegen die indonesische Badmintonlegende Lim Swie King 1980 in Singapur bei einem Ländermatch Indonesien vs. China.

Größte Erfolge als Trainer
Doch auch als Trainer war er in China sehr erfolgreich. Als Jugendnationaltrainer ebnete Yan Yujiang den Weg zu folgenden Erfolgen seiner SpielerInnen:

> Zhao Jianhua – BWF-Weltmeister – 1991
> Dong Jiong – Weltranglisten Erster – Vize Olympiasieger Atlanta, 1996
> Yang Yang – 2-facher BWF-Weltmeister – 1987 und 1989
> Pan Li – Asienmeisterin Damendoppel – 1992; aktuelle chinesische Nationaltrainerin für Damendoppel

Wir haben einige seiner langjährigen Weggefährten und erfolgreichsten SportlerInnen Fragen über Yan Yujiang gestellt. Als nächstes kommen die Olympiateilnehmer Michael Lahnsteiner und Simone Prutsch und die mehrfache Staatsmeisterin Claudia Mayer zu Wort.

Michael Lahnsteiner

In welcher Zeit hast du mit Yan Yujiang trainiert?
Ich habe 12 Jahre lang mit Yan trainiert, beginnend mit 14 Jahren, als ich nach Linz in das BORG für Leistungssportler gekommen bin.

Welchen Einfluss hatte Yan für die Entwicklung deiner Badmintonkarriere?
Yan hatte einen sehr großen Einfluss auf meine sportliche Karriere. Durch ihn lernte ich kennen, was notwendig ist um den Badmintonsport als Profi zu betreiben und gemeinsam trainierten wir hart und diszipliniert für dieses Ziel. So sehr Yan am Feld meinen großen Respekt und meine volle Anerkennung hat, so ist er für mich abseits des Courts immer noch ein sehr guter Freund.

Simone Prutsch

Wieviele Jahre hast du mit Yan trainiert?
Ich habe mit Yan 8 Jahre lang trainiert.

Wie hast du vom Training mit Yan profitieren können?
Die Grundtechnik und die Verfeinerung fast aller Schläge hat mit ihm stattgefunden. Ich habe gelernt immer 100% zu geben und dass Badminton ein Beruf sein kann.

Wie beurteilst du seine menschlichen Fähigkeiten?
Ehrlich und einfühlsam.

Claudia Mayer

Wie hast du dich mit Yan auf die Olympia-Qualifikation vorbereitet?
Die Vorbereitung hat eigentlich schon 2-3 Jahre vorher begonnen. Wir haben ein Trainingsniveau aufgebaut, dass notwendig war um international bestehen zu können und auch die vielen Turniere in der Qualifikationsphase selbst zu verkraften. In der Olympiasaison selbst haben wir nur versucht das Niveau zu halten bzw. leicht zu verbessern. Es war eine schöne Zeit :)

Wie lange hast du mit Yan als Trainer zusammengearbeitet?
Wir haben ca. 4 Jahre miteinander gearbeitet aber ich kannte ihn natürlich schon länger.

Wie schätzt du die Fähigkeiten von Yan als Trainer ein?
Sehr hoch! Ich habe in relativ kurzer Zeit extrem viel gelernt. Er hatte auf alles eine Antwort und er hat mir sehr viel beigebracht! Das Training war immer optimal auf mich abgestimmt. Es war manchmal hart und hat mich an meine Grenzen gebracht (was notwendig war um besser zu werden) aber oft war es auch lockerer mit Technik und Taktik. Er konnte sich perfekt auf einen Spieler einstellen. Ohne ihn wäre ich nie so weit gekommen und ich schätze ihn nicht nur als Trainer, sondern auch als Mensch!

Fortsetzung folgt:
Im 3. Teil berichten wir unter anderem über die Erfolge seiner Trainertätigkeit in Österreich…

[Bericht: Redaktion – Lukas Rebhandl]